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Deutschland hört ein Huh

13.12.2017

Daniel Dexter + Schrödingers Katze (Huh)

 

Release: 15.12.2017

Release-Konzert: 19.12.2017 in Berlin, Wedding

Verfügbar als CD, zum Download und als Stream 

 

Gäbe es so etwas wie eine absolute Mitte zwischen allen Emotionen und Temperamenten-  Schrödingers Katze wäre der Soundtrack zu diesem Zustand.

Die Gitarren klingeln, die Glöckchen bimmeln. Wohltemperiert wie der Klang des Nichts. 

„Huh.“ heißt das Album, auf dem der Leipziger Vierer mit Steuermann Bauhaus- Ästhetik und verschrobenen Humor in einen monolithischen Block Musik gießt. 

Dabei schlägt man so viele Haken, dass sich ein „Das ist der Rhythmus, wo jeder mit muss“- Hörer vom Übermass an Information bedroht fühlen könnte. Die Story hängt jederzeit am seidenen Faden; die entstehenden Freiräume fordern Mitdenken ein.

 

Durch ein Stimmengewirr bahnt sich zunächst eine quängelnde Country- Gitarre den Weg, dicht gefolgt von einer zickigen Farfisa- Orgel. Der Gesang macht es sich,  in Nanosekunden zwischen Verletztlichkeit und Arroganz pendelnd, zwischen beiden bequem. „Wo du auch bist/ Ich möchte bei dir sein“ schmachtet Daniel Dexter einer Verflossenen hinterher. Nur um ihr im nächsten Moment den ultimativen Genickschuss zu verpassen: „Statt in diesem öden Loch/ Herumzuhuren, um mich dir nah zu fühlen“ Ein ewiges Yin und Yang, ein Suchen und Wegstossen, dessen Ausbalancierung auf „Huh.“ traumwandlerisch sicher gelingt.

Wird der erste Teil des Albums noch von allerlei Spielarten der Liebe dominiert, verabschieden sich Schrödingers Katze in der zweiten Hälfte unter Schalala- Gesing ins Weltall.

„Die greisen Hände beten/ Im Aufruhr der Planeten“ dräut es durch eine feiste Klangwolke hindurch. Was auch immer das heißen mag. Das Alt- 68er- Verdikt, dass das Private immer auch politisch sei, wird hier unter apokalyptischen Vorzeichen wiederaufgenommen. 

Die Herren Kunschke und Kohnert, ihres Zeichen Gitarristen, praktizieren dazu die Kunst des Beinahen. Hat man sich gerade in einer eingängigen Melodie eingerichtet, zieht es diese schon wieder auf den nächsten Seitenpfad. Die Liedarchitektur bleibt  irgendwie zwischen den Stühlen und Schablonen: Die Balladen sind entzuckert, die Rocker so nüchtern vorgetragen, als wären sie nur Kulisse eines endlosen Fließtextes. In der Tat lässt sich hier eine ideologische Nähe zum epischen Theater feststellen, da die eigenen Tricks fortwährend dekonstruiert werden.

Am Ende bilanziert Dexter in die Stille hinein: „Warum nicht einfach jetzt verschwinden, verschwinden, verschwinden?“ Ein letztes Mantra für die Erdlinge. Und schon ist sie weg, die geisterhafte Katze der Quantenphysik. 

 

 

 

 

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